"Weniger die Kleidung. Mehr die Einstellung"

Tweed | Krawatte | Kariertes Plastron - Jagdgarderobe der Nebensaison

Klassischerweise geht die Jagdsaison durch den Herbst bis in das späte Frühjahr. Zumindest ist in Großbritannien und Frankreich bis Ende März die Hauptsaison. Von da an wird dort bis zur Eröffnung der neuen Saison im Oktober/November in leichtem „Outfit“ geritten. Es ist eine Zeit, in der man beispielsweise früh am Morgen mit den Hunden reitet, um diese einzujagen. Es ist auch eine Zeit, die man nutzt, um junge Pferde an den Jagdbetrieb zu gewöhnen.

Allesamt sind es jedoch Veranstaltungen, bei denen man zwar zu den Hunden reitet, aber nicht so aktiv auf der Jagd ist, wie in der Hauptsaison. Es sind Veranstaltungen, die sich in der Länge zur Hauptsaison unterscheiden, da sie wesentlich kürzer sind und vor allem einem einfachen Trainingscharakter entsprechen.

Nun hat die Jagdkleidung vor allem den Zweck, den Jagdreiter vor äußerlichen Einwirkungen zu schützen. Das bedeutet vor Ästen, Dornen, Kälte und Feuchtigkeit – also kurzum, vor Verhältnissen der Witterung wie sie nur in der kalten Jahreszeit zu finden sind. Bei leichten Trainingsveranstaltungen sind nicht unbedingt Situation anzutreffen, in denen man mit schwerem und dornigem Geäst in Berührung zu kommen droht, wie auf der tatsächlichen Jagd querfeldein hinter Wild im Herbst und Winter.

In der Hauptsaison kommt für das Jagdfeld daher der schwere Jagdrock in gedeckten Farben zum Einsatz, um sich von der roten Rockfarbe des Hunt-Staffs, der Equipage, abzuheben. Begleitet wird dieser durch das einfarbige weiße oder cremefarbene Plastron und die helle Hose sowie der Stulpenstiefel, der ursprünglich bis über das Knie ging und den Reiter ebenfalls schützte.

Um sich nun von dieser „Arbeitskleidung“ der Hauptsaison bereits äußerlich abzuheben, trägt man in der Nebensaison das Tweedjacket, auch Hackingjacket genannt, das karierte Plastron – dieses hebt sich von dem einfarbigen der Hauptsaison ab - oder die Krawatte. Diese unterscheidet sich ebenfalls deutlich in der Optik von einem Plastron.

Beispielsweise hat die optisch anders aussehende Kleidung der Nebensaison zudem den Effekt, dass Landeigner, über deren Grund man reitet und auch jeder andere, bereits aus der Ferne erkennen können, dass man zwar mit den Hunden reitet, aber nicht aktiv auf der Jagd ist. Ganz zu schweigen davon, dass es natürlich für den schweren und dicken Jagdrock in den Juli- und Augustmonaten viel zu warm ist.

Demnach ist also den unterschiedlichen Jagdjahreszeiten folgendes zuzuordnen: Zur Nebensaison (hierzulande Frühjahrsjagden, Heuschleppen, Trainingsschleppen) gelten das Tweedjacket, das karierte Plastron und oder die Krawatte. Kein weißer, sondern lediglich ein heller Handschuh sowie der schwarze oder der braune Stiefel. Zur Hauptsaison gelten die helle Reithose, der dunkle Rock, das weiße oder cremefarbene Plastron sowie der helle, beziehungsweise der weiße Handschuh. Der Stulpen- sowie der schwarze Stiefel, während der braune lediglich der Nebensaison zugeordnet ist.

Jagdreiten ist daher ein durchaus durchdachter Sport, denn man muss bedenken, dass jedes Element der Jagdreiterei einen tieferen Sinn hat, der einem funktionalen Ursprung entstammt. Letzten Endes ist daher jeder, der in den Jagdsattel steigt, auch ein Hüter eines ausgeklügelten Systems, in dem Funktionalität vor allem anderen steht. Vor allem ist es unter dem Gesichtspunkt aber auch ein Sport, bei dem das Leben der Geschichte und der Tradition nicht langweilig, sondern voller Adrenalin steckt, wenn man an den berauschenden Galopp hinter den Hunden denkt.

Und wenn man die klassischen Werte der funktionalen Jagdkleidung beachtet, sieht man nebenbei noch ganz adrett gekleidet aus.




Drei Reiter auf AckerTweed & Krawatte | Elegante Garderobe zur Nebensaison (Quelle: Privat)



Philipp Jakob | Jagdreiten mit Stil


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Habe Spaß. Reite Jagd. Aber richtig.