Jagdreiter – ein nachhaltiges Völkchen unter den Reitern
In Zeiten, in denen Konsumgüter und alltägliche Dinge sowie Produkte stets verfügbar sind, wird ein Begriff immer häufiger genannt: Nachhaltigkeit!
So bemühen sich nahezu alle Branchen, Lebensmittel, Textilien und andere Produkte möglichst nachhaltig zu erzeugen. Zwar reitet manch einer gefühlt gleich viel besser mit der neuesten Schabracke und dem schillerndsten Stirnriemen - übereilt neu zu kaufen, wird allerdings immer häufiger hinterfragt, als es noch vor vielen Jahren der Fall war.
Wer einen Blick in die Welt der Jagdreiter wirft, stellt schnell fest:
Vieles von dem, was heute unter dem Begriff Nachhaltigkeit diskutiert wird, gehört hier seit jeher ganz selbstverständlich zur gelebten Tradition. Der Jagdreitsport ist geprägt von Werten, von Respekt – gegenüber Tier, Natur und auch gegenüber der Geschichte unseres Sports. Und genau daraus entsteht eine ganz eigene Form der Nachhaltigkeit.
Denn Jagdreiter sind, wenn man es genau betrachtet, eigentlich doch ein recht nachhaltiges Völkchen.
Viele Dinge, die uns dabei begegnen, haben bereits eine Geschichte. Nicht selten sogar mehrerer Generationen. Da ist etwa der alte Jagdrock einer honorigen Persönlichkeit, der noch immer getragen wird. Vielleicht wurde er einst vom Großvater bei dessen ersten Schleppjagd eingesetzt und findet heute wieder Verwendung – mit Stolz und mit einem gewissen Augenzwinkern. Oder die Jagdgerte, deren Griff über die Jahrzehnte eine ganz eigene Patina bekommen hat. Sie wurde weitergegeben, gepflegt und begleitet nun den nächsten Reiter über Gräben, Hecken und Wiesen.
Auch Stiefel, Sporen oder Jagdhörner erzählen oft ihre eigenen Geschichten – quasi verborgenes Jägerlatein, das am Leibe getragen oder in den Händen gehalten wird. Dinge werden repariert, gepflegt und weiterverwendet – nicht, weil es gerade im Trend liegt, sondern weil es irgendwie schon immer so war.
Gerade beim Jagdreiten gilt: gute Ausrüstung ist dafür gemacht, ewig zu halten.
Ein gepflegter Reitstiefel kann Jahrzehnte überdauern. Der Jagdrock wird nicht nach einer Saison ersetzt, sondern begleitet seinen Träger oft über viele Jahre hinweg. Und selbst wenn er irgendwann nicht mehr ganz passt, findet sich nicht selten ein neuer Besitzer, der ihn mit Würde weiterträgt. So wandern viele Stücke von Jagdreiter zu Jagdreiter weiter – und behalten dabei ihren ganz eigenen Charakter.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt:
Die Dinge werden (wert)geschätzt. Wer ein Stück Ausrüstung übernimmt, das bereits jemand anderem gedient hat, behandelt es mit Sorgfalt, hält es in Ehren und verbindet womöglich auch persönlich etwas damit.
Vielleicht, weil man weiß, dass dieses Stück schon viele Jagden erlebt hat. Vielleicht auch, weil man sich ein wenig als Teil dieser Geschichte fühlt.
Nachhaltigkeit entsteht hier also nicht aus Marketing oder aus modernen Konzepten – sondern ganz einfach aus Tradition, Wertschätzung und einem gewissen Sinn für Beständigkeit. Und vielleicht ist genau dies eine der schönen Seiten unseres Sports:
Dass nicht immer alles neu sein muss, um Freude zu bereiten.
Möge unser Sport auch weiterhin von Wertschätzung und Beständigkeit geprägt sein!
Philipp Jakob
Hier geht es zu weiteren Beiträgen
Bild: privat