"Weniger die Kleidung. Mehr die Einstellung"

Das Training eines Jagdpferdes

Über das Training eines Jagdpferdes wird viel gesprochen. Manch einer trainiert ausschließlich im Gelände, der andere hat Probleme, sein Pferd im Jagdfeld unter Kontrolle zu halten. Und wiederum gibt es passionierte Springer, aber auch Reiter, deren Pferde nicht so routiniert am Hindernis sind.

Was unterscheidet das Reiten im Jagdfeld von anderen Sparten im Reitsport? Während man im Parcours allein unterwegs ist und weiß, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet, hat man im Jagdsport andere Gegebenheiten. Man möchte harmonisch hinter den Hunden reiten.

Im springenden Feld wird dies mit dem Überwinden der Hindernisse im Gelände kombiniert, während man den Verlauf der Strecke nicht kennt und demnach auch nicht weiß, wann Graben oder Sprung auf einen warten. Die Möglichkeit, vor dem Ritt die Strecke zu besichtigen, gibt es nicht.

Dies verdeutlicht, dass Jagdreiten eine besondere Anforderung an Pferd und Reiter stellt. Herdentrieb, Tempo, Hindernisse und freies Geläuf wirken sich auf Pferde völlig unterschiedlich aus, wobei jedes seine Stärken und Schwächen in verschiedenen Bereichen hat. Daher muss ein Jagdpferd zwei Eigenschaften besitzen: Ein klares Wesen, um es im Pulk gut händeln zu können sowie Sicherheit am Sprung.

Ein Pferd besitzt nur im seltenen Fall beide Eigenschaften in hohem Maße. Das eine ist sicherer am Sprung und schwieriger zu halten, das andere unsicher am Sprung, dafür gut zu händeln.

Somit erkennt jeder Reiter schnell, was er zu tun hat und an welchen Stellschrauben er vermehrt drehen muss, um die Stärken des Jagdpferdes zu erhalten, an den Schwächen zu arbeiten und zeitgleich für die Gesunderhaltung zu sorgen. Es ist offensichtlich, dass das Training eines Jagdpferdes vielseitig sein muss.

Oft hört man: „Das ist nur eine Jagd. Das wird das Pferd schon machen!“ Das wird es auch und sogar mit großer Wahrscheinlichkeit. Die Frage ist nur, wie gut oder schlecht wird es dies machen können? Und vor allem wie fair ist es dem Pferd gegenüber?

Reden wir über Fußball. Nicht über den großen Sport, sondern bleiben wir bei kleinen Ligen. Betrachtet man deren Training, stellt man fest, dass nicht einfach eine Stunde lang gejoggt wird, um die Kondition zu fördern. Ganz im Gegenteil: Es wird auch an der Bein- und Schusstechnik gearbeitet. Kraft und Muskulatur werden geformt und gefördert. Ebenso wird sich gedehnt und man gymnastiziert seinen Körper, um das Risiko einer Verletzung zu minimieren.

Es ist logisch und verantwortungsvoll, sein Pferd vielseitig für die Jagd zu trainieren. Daher wechseln sich in meinem Training des Jagdpferdes wichtige und notwendige Springgymnastik über bunte Stangen mit Ritten im Gelände ab. Gepaart durch die Arbeit an der Longe mit und ohne Stangen sowie das dressurmäßige Gymnastizieren unter dem Sattel.

Hinzu kommen das Heranführen und Überwinden fester Hindernisse als auch an das Element Wasser. Überlegtes Reiten in der Gruppe in allen drei Gangarten spielt eine sehr wichtige Rolle, um das Pferd systematisch und ohne Stress heranzuführen. Das Training mit einer Meute, um es an die Geräuschkulisse und die Hektik des Packs zu gewöhnen, führe ich regelmäßig durch.

Ein solch umfängliches Training hält zudem den Reiter fit und bereitet ihn auf viele verschiedene Situationen vor. Das Jagdpferd wird durch ein solches Training routiniert, trittsicher im Gelände und am Sprung sowie abgeklärt und ist weniger verletzungsanfällig. Was bleibt ist immer ein Restrisiko wie in jedem anderen Sport auch. Aber durch ein solches Training ist das Restrisiko reduziert und daher auch fair dem Partner Pferd gegenüber.

Es soll mich mit Freude, Leichtigkeit und gesund über die Jagdstrecke bringen. Somit stehe ich als Jagdreiter in der Verantwortung, mein Pferd entsprechend auf diese Aufgabe vorzubereiten.

Philipp Jakob | Jagdreiten mit Stil



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Habe Spaß. Reite Jagd. Aber richtig.